"(...) Wissen ist die Veredelung von Information durch Praxis. Jedes Wissen setzt Praxis voraus.

Hans Fischer, rolotec, befasst sich mit der Wissensgesellschaft und der Auswirkungen. Was hat er uns dazu zu sagen?

Veraltete Tools im Informationszeitalter

Im Beitrag "Antworten zur Wissensgesellschaft 2.0" haben wir geschrieben:

"(...) Wir leben im Informationszeitalter. Informationen und das darauf basierende Wissen hat sich neben Boden, Arbeit und Kapital zu einem klassischen Produktionsfaktor entwickelt. Was, wenn ein Bauer in der Agrargesellschaft dem Boden nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hätte?"
Obwohl anders gefragt, geben zwei aktuelle Studien eine Antwort. ZDNet.de schreibt im Artikel "Studie: Kommunikationstechnik in vielen Firmen veraltet":
"(...) "Ein Unternehmen muss heute als die Summe seiner erfolgreich gelösten Aufgaben betrachtet werden. Doch das Aufgabenmanagement wird mit Werkzeugen bewältigt, die zum Teil über 20 Jahre alt sind. Das führt zu E-Mail-Fluten, sinnlosen Konferenzmarathons und telefonischen Abstimmungsorgien, die in der Summe kontraproduktiv sind, weil sie die Projektverantwortlichen ebenso wie die Arbeitsebene von der eigentlichen Arbeit abhalten, Aufgaben zu lösen", sagt Karl-Heinz Land, Chef des IT-Dienstleisters Exsolut."
Wie mehrfach schon im Roloblog erwähnt und mit Praxisbeispielen untermauert, setzen zeitgemässe Kommunikations- und Kollaborationsmassnahmen nicht zwingend Riesenbudgets voraus. Insbesondere interaktionsfördernde, leicht zu bedienende und vor allem auch preiswerte Web 2.0-Anwendungen haben - für Unternehmen jeder Grösse - neue Möglichkeiten eröffnet.

 

"(...) Was, wenn ein Bauer in der Agrargesellschaft dem Boden nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hätte?"

Weil viele Bauern dem Boden die Aufmerksamkeit entzogen haben, sind sie in die Abhängigkeit der Agrarindustrie gelangt. Diese zieht nun vorübergehend mehr Profit aus dem kargen Boden, als dieser auf die Dauer hergeben kann, laugt diesen bis zur Unbrauchbarkeit aus und lässt den Bauern verarmen...

Ein Begriff ist die Individualisierung eines Ganze oder genauer gesagt einer Struktur. Und ich bediene mich sodann dieses neuen Wesens wie einer unveränderlichen Grösse...

Der Begriff enthält die Definition, aber geht ihr voraus. Der Begriff ist die Idee, dies da zu definieren. (Dies da, was zuvor nur eine Gesamtheit war. und nun zu einem Wesen wird).
Wenn ich über eine beliebige gewundene Kurve verfüge, so ist jede regelmässige periodische Kurve, die sich darin einfügt, ein Begriff. Der Begriff vereinfacht in diesem Fall das Universum. Und ordnet es. Und ich kann nicht sagen, dass ich diese regelmässigen Kurven als Wahrheiten wiederfinde, die vor mir vorhanden gewesen seien und hier ihrer Natur nach verborgen wären, denn als ich aufs Geratewohl meine Zeichnung ausführte, dachte ich gar nicht an eine regelmässige Kurve, sondern an eine beliebig gewundene Linie.

Doch jetzt, da ich über diese Sprache verfüge, kann ich meine Kurve ausdrücken, indem ich sie benenne, wie auch irgend eine ihrer Besonderheiten, zum Beispile eine Abszisse. Und das genügt mir, um an dieser Stelle das Geordnete zu erkennen...

 

...Die Erkenntnis: sie besteht keineswegs im Besitz der Wahrheit, sondern einer zusammenhängenden Sprache...

Antoine de Saint Exupéry, Carnets, Verstand und Sprache

Mit der "Wissensentwicklung" ist es ähnlich wie mit der Empirie, die zuweilen der Wissenschaftlichen Erkenntnis vorausgeht

"(...) Durch Gleichungen wird wird die Erfahrung in Flaschen gezogen. Aber eigentlich geschieht es selten im Bereiche der Praxis, dass die Maschine aus der mathematischen Analyse gleich hervorgeht wie das Kücklein aus dem Ei.. Die mathematische Erfahrung geht zuweilen der Erfahrung voraus, aber häufig begnügt sie sich damit , die Erfahrung zu registrieren, was im übrigen eine wichtige Aufgabe ist. Grobe Messungen ergeben, dass die Veränderung eines gewissen Phänomens durch den Zweig von Hyperbeln vollkommen wiedergegeben werden. Der Theoretiker registriert sofort diese experimentellen Messungen durch fromme analytische Bemühungen, dass es gar nicht anders sein konnte. Sobald ihm dann schärfere Messungen gestatten, seine Kurve, die nunmehr einer Kurve einer ganz anderen Formel weit ähnlicher ist, genau zu präzisieren, wird er das Phänomen noch genauer durch diese neue Gleichung registrieren. Aber er wird auch, durch genau so fromme Bemühungen beweisen, dass das von Ewigkeit her voraussehen liess...

"Über die Versuchsflieger", Saint Ex

Das Informationszeitalter hat nicht verhindert, dass uns vor allem in etwa fünfjähriger Regelmässigkeit eine Finanzkrise nach der anderen mit bis zu globaler Auswirkung beschert wurde, wobei es im Grunde genommen immer um den gleichen Trick ging: Mittels übertriebenen Gewinnversprechen, werden den Dummköpfen die Moneten aus den Taschen gezogen. Die Dummköpfe auf höherem Level, meine ich.

 

 

Wissen falsch angewendet und die Erfahrung ausser Acht gelassen

Foto H. Odermatt  

Und sie wird den Menschen keine fassbare Information liefern, wie gross die Energiereserven verfügbar sein werden. Profit vor Information!

Jedoch: selbst mit einem alten Hammer kann ein Nagel gerade eingeschlagen werden, dazu ist nicht partout ein hoch komplexes Nagelgerät erforderlich. Selbst die "veraltete russische Raketentechnik" wird von den mit "modernsten Geräten" operierenden Amis dankbar verwendet.