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<wml xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head><meta http-equiv="Content-Type" content="text/vnd.wap.wml;charset=ISO-8859-1"/></head><card id="main" title="KAYWA"><p><big>&#xAB;personalblog&#xBB; in der Balance</big><br/>Services for the Mobile Internet<br/></p><p><small>11.5.2008,&#xA0;10:32</small><br/><b><a href="http://personalblog.kaywa.com/mobile/ueberfall-in-nidwalden-1798/02-der-ueberfall-in-nidwalden-im-jahre-1798.html">02 Der &#xDC;berfall in Nidwalden im Jahre 1798 </a></b></p><p><br/>

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[<a href="http://personalblog.kaywa.com/files/images/2008/5/30/mob306_1210491911.gif">bild</a>]
Allweg: Blick Richtung Buochserhorn, Musenalp, Risettenstock/Hinterjochli<br/>
Foto H. Odermatt


Erste Abtheilung
Vorwort im Allgemeinen<br/>
"(...) Uri und Schwyz haben allerseits &#xFC;ber ihre ereignisvollen Tage von 1798 eine Geschichte. Warum sollte nicht auch Nidwalden, das damals und in der Folge eben so Ereignisvolles erleben musste, auf eine &#xE4;hnliche Zeitgeschichte Anspruch machen d&#xFC;rfen? Noch immer waltet ein Dunkel &#xFC;ber dem Kampf und die Schicksale Nidwaldens vom Jahre 1798. Es wird noch zur Stunde daf&#xFC;r und dawider geurtheilt, je nachdem, die Kenntnisse und die Leute beschaffen sind. Es schwebt aber auch noch selbst ein grosses Dunkel &#xFC;ber die franz&#xF6;sische Revolution in der Schweiz, so wie &#xFC;ber die helvetische Konstitution und Regierung, und ihre verschiedenen Gestaltungen und Handlungsarten. Alles dieses suchte man geflissentlich ins dunkelste Dunkel zu h&#xFC;llen. Die Geheimnisse der Bosheit aus damaliger Zeit sind noch zu wenig ans Tageslicht gezogen, und zu sehr mit gl&#xE4;nzendem Firnisse &#xFC;berdeckt worden. Wenn auch nicht Alles, so soll doch Vieles durch vorliegende Bl&#xE4;tter aufgehellt werden, was bis anhin noch dunkel und verborgen war. Immerhin mangelte den Meisten die treue Darstellung und der ganze Zusammenhang der Geschichte Nidwaldens von 1798. Die Absicht des Verfassers ist Aufhellung der Thatsachen, die da geschehen sind, und wie und in welchem Geiste sie geschehen sind. Hierauf soll sich die Geschichte gr&#xFC;nden, so wie Rechtfertigung des so oft hart beschuldigten Landes. Die Historie &#xFC;berhaupt soll ein Inbegriff von Akten und Thatsachen sein, und die &#xDC;berfallsgeschichte von Nidwalden wird eine Menge derselben bringen, die bis anhin unbekannt geblieben waren. Der Verfasser wird den Partikularen, den Gemeinden, den Beh&#xF6;rden und Kantonen nur die Stellung vorzeichnen, die sie in der Geschichte selbst eingenommen haben. Wer sollte deswegen ihm z&#xFC;rnen? Haben ja sogar die Evangelisten dem Judas die Stelle angewiesen, die ihm geb&#xFC;hrt hat. Sie glaubten dadurch weder lieblos noch ungerecht gehandelt zu haben.
&#xA0;
&#xDC;ber Nidwalden ist zwar Vieles in Bezug auf die Revolution von 1798 niedergezeichnet worden, und wie wir finden, Wahres und Unwahres; mehr jedoch nur in Bruchst&#xFC;cken, als im genauen Zusammenhange.
&#xA0;
Im Jahre
&#xA0;
1798 berichteten zuerst die damaligen Zeitungen, besonders der Republikaner usw. Die Vorf&#xE4;lle in Nidwalden. In denselben war das Meiste einseitig und entstellt aufgenommen, und f&#xFC;r die Franzosen und die Helvetik das Wort gesprochen.
1799 kam der &#x201C;schreckliche Tag&#x201C; am 9. Herbstmonat 1798 in Unterwalden, 80 Seiten stark heraus. Hr. Kaplan Jakob Kaiser, sp&#xE4;ter Pfarrer in Stans, beschrieb denselben auf der Flucht im Tyrol, und gab der Sache als Augenzeuge vielen Aufschluss, dessen sich selbst Zschokke in seiner Geschichte bediente. Er schrieb wider die Konstitution in seiner Geschichte bediente. Er schrieb wider die Konstitution und vertheidigte die Handlungsweise des Volkes und der Geistlichkeit entgegen derselben.
1799 Um diese Zeit erschien, ohne Angabe des Jahres und des Druckortes, ein Schriftchen, 212 Seiten, unter dem Titel: &#x201E;Historische Entwicklung der helvetischen untheilbaren Verbindung.&#x201C; es ist von einem Freunde der Konstitution geschrieben, und darin &#xFC;ber Nidwalden Vieles unrichtig dargestellt.<br/>
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1799 erschien in Z&#xFC;rich ein Schriftchen: &#x201E;Opfer der Hochachtung&#x201C;, den wahren Unterwaldnern dargebracht, 24 Seiten, das ebenfalls nur Bruchst&#xFC;cke enthielt, aber zu Gunsten Nidwaldens geschrieben war.<br/>
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1800 im Augustmonat kam Hr. Kupferstecher J. H. Meier in Z&#xFC;rich, und sammelte in Nidwalden allerlei Vorf&#xE4;lle vom Jahre 1798, die er sich theils von Altgesinnten, theils von Patrioten erz&#xE4;hlen liess, und welche, weil der gute Mann die Leute oft zu wenig kannte, hie und da Umst&#xE4;nde vergr&#xF6;sserten oder verkleinerten, und gar oft der Hauptsache selbst eine andere Gestaltung gaben. Meier zeichnete die abgebrannten Gegenden, und der Nepot des Hrn. Stadtpfarrers Hess, den er bei sich hatte, beschrieb die Thatsachen. Diese Sammlungen f&#xFC;llten einen grossen Folioband, der nun in Handschrift zu Z&#xFC;rich auf der Stadtbibliothek aufbewahrt wird.
Der Hr. Verfasser liess seine Sammlungen unterschreiben. Viele, die unterschrieben, waren nicht Augenzeugen, und Andere zeichneten auf blossen Glauben hin, ohne die Arbeit gelesen zu haben. Hr. Kaplan Franz Joseph Egger, der auch unterschrieb, machte bereits Vorbehalte und auf Berichtigungen aufmerksam, weil er Vieles entstellt fand nach der Aussage von Augen- und Ohrenzeugen, mit denen er genauer geredet hatte. In dasiger Zeit war man jedoch zufrieden, wenn nur Jemand f&#xFC;r das gebeugte Nidwalden ein gutes Wort sprach oder schrieb. Hr. Meier tat es.<br/>
&#xDC;ber die Revolutionszeiten schrieben ferners die helvetischen Annalen; Meyer von Knonau, Mutach, Posselt, Haller, Leonard Meisterund Andere, die nur im Vorbeigehen Nidwaldens erw&#xE4;hnen, und meistens wiederum Andern nachschrieben und nacherz&#xE4;hlten. Dessgleichen 1801 in kleinen B&#xE4;ndchen, eine helvetische Chronik.
1801 16. Mai erschien in Bern: &#x201E;Johann Georg Heinzmanns aus Ulm neuere Schweizergeschichte.&#x201C; 2 B&#xE4;nde. - 1805 in Bern wieder erh&#xE4;ltlich. Sie stand zur Helvetik und enthielt &#xFC;ber Nidwalden Wahres und Falsches.<br/>
1801 10. Weinmonat. Erschien ein Schriftchen vom Hochw. Hrn. Organist Alois Leu in Stans: &#x201E;Ist dann auch der Unterwaldner wirklich derjenige, f&#xFC;r den man ihn ansieht?&#x201C; und dann: &#x201E;Wahre und unparteiische Darstellung der Lage von Unterwalden&#x201C; (24 Seiten). Ein kr&#xE4;ftiges und damals gewagtes Wort, das verdankenswert war.<br/>
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1801 erschien in Bern und in Z&#xFC;rich Heinrich Zschokke's &#x201E;Geschichte vom Kampf und Untergang der Berg- und Waldkantone&#x201C;, in die Nidwalden somit auch einverflochten wurde. Sie schmeichelte Alois Reding, gab Nidwalden Seitenhiebe, und hudelte nach Zschokke's Art die katholischen Geistliche durch.<br/>
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1803 verliessen die Presse: &#x201C;Heinrich Zschokke's Denkw&#xFC;rdigkeiten &#xFC;ber die Revolutionsgeschichte der Schweiz 1798&#x201C;, in welchen ein grosser Theil Nidwalden gewidmet ist. Er schrieb weitschichtig und Vieles aus Urkunden, deren Rettung man ihm verdanken muss; indessen f&#xFC;r Nidwalden ung&#xFC;nstig und die Ereignisse von 1798 als Aufruhr darstellend, da sie vielmehr eine abgedrungene Nothwehr waren. Der Mann war aber ein Beamter der helvetischen Regierung, hatte ihr sein reichliches Brod und sein Gl&#xFC;ck zu verdanken, und wie Hr. Dr. Lusser von Altdorf in seiner Geschichte deutlich ausspricht, war Zschokke &#x201E;ein Diener des <a href="http://personalblog.kaywa.com/mobile/exturl/http/de.wikipedia.org/wiki/Jakobiner">Jakobinismus</a>&#x201C;, und in seinen alten Tagen stiftete er noch einen Freimaurerverein. Die Handlungsweise eines katholischen Volkes, wie jenes von Nidwalden muss nothwendig nach den Grunds&#xE4;tzender der katholischen Religion und Kirche, und nach jenen der Gerechtigkeit, der Vertr&#xE4;ge und Kapitulationen u.s.w. Beurtheilt werden. Zschokke hat aber nicht nur das nicht getan, sondern vielmehr den Gegner wider diese Grunds&#xE4;tze gemacht. Daher kann sein Schattengem&#xE4;lde von Nidwalden, das sich durch Beleuchtung aus anderen, einzig anwendbaren Grunds&#xE4;tzen, die der Gerechtigkeit, der katholischen Religion und Kirche angemessen sind, ins richtige Licht aufl&#xF6;st, den angeblichen Werth verliert, und Missverdienst einerntet. Zschokke zeigte sich hier besonders als einen geschworenen Feind der katholischen Priester, und diessfalls sehr leidenschaftlich, wie seine Schriften, &#xFC;berhaupt davon &#xFC;berfliessen. Er starb 27. Brachm. 1848.<br/>
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1805 ver&#xF6;ffentlichte Hr. Christian Daniel Voss, Professor in Halle, seine &#x201E;Schweizergeschichte&#x201C;, worin er &#xFC;ber Nidwalden vielf&#xE4;ltig &#xFC;bel berichtet war und grosse Unrichtigkeiten brachte. Er l&#xE4;sst z.B. den Distriktstatthalter mit dem Strick um den Hals zum Galgen hinschleppen u. A. m.
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In der Zwischenzeit schrieben Viele. Einige f&#xFC;r, Andere wider Nidwalden. Gr&#xFC;ndliches f&#xFC;r Nidwalden gab Hr. Haller von Bern heraus, dessen Schriften aber bei den helvetischen Beh&#xF6;rden anstiessen und von ihnen unterdr&#xFC;ckt wurden. Sonst sprachen die protestantischen Geschichtschreiber immer eher feindlich, und die katholischen, welche noch ein gutes Wort reden wollten, kannten immer noch die ganze Geschichte in ihrem Zusammenhang nicht. Das zeigt sich in ihren Schweizergeschichten, die sie f&#xFC;r die Schulen bearbeiteten.<br/>
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1824 gab Kuhn seine &#x201E;Alpenrosen&#x201C; heraus, und lieferte Charakterz&#xFC;ge von dem Vertheidigungskriege Unterwaldens, von J. H. Meier gesammelt, wor&#xFC;ber oben geredet worden ist.<br/>
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1828 schrieb nun auch Hr. Chorherr und Altpfarrer Joseph Businger in zwei Kapiteln die Geschichte Nidwaldens von 1798. - obwohl er Partheimann war, so behandelte er im Gegensatz nach dem Urtheile seiner innigsten Freunde den ganzen Gegenstand nur oberfl&#xE4;chlich, schrieb dem Zschokke nach, und legte jenen Massstab nicht an, den ein katholischer Priester der Geschichte seines katholischen Volkes anlegen sollte, zumal er die sich auf die Kirche und Religion beziehenden Artikel der Konstitution ohne Anf&#xFC;hrung und W&#xFC;rdigung unber&#xFC;hrt &#xFC;berging.<br/>
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1837 erschien in Z&#xFC;rich bei S. H&#xF6;hr: &#x201C;die Enkel Winkelrieds&#x201C;, epische Dichtung von Salomon Tobler&#x201C; . Der Dichter sch&#xF6;pfte ebenfalls aus Joh. Heinrich Meier. Diese Gedichte sind wirklich sch&#xF6;n, geistreich und ehrenhaft f&#xFC;r Nidwalden, k&#xF6;nnen jedoch nicht als strenge Geschichte betrachtet werden.
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1843 erschien die helvetische Geschichte des Hrn. Anton v. Tillier in Bern in drei B&#xE4;nden. Was er von Nidwalden schreibt, ist mit Abrechnung einiger Ausz&#xFC;ge aus dem helvetischen Archive u.s.w. gr&#xF6;sstentheils aus Zschokke und Businger abgeschrieben und ebenfalls nach ihrer Art dargestellt, mit Uebergehung der Grunds&#xE4;tze, nach welchen ein katholisches Volk beurtheilt werden muss.
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1845 erschien in St. Gallen f&#xFC;r die Schuljugend, &#x201E;Sammlung von Z&#xFC;gen des Heldenmuths und Biedersinns.&#x201C; In Nr. 64 wird &#x201E;Nidwaldens Schreckenstag 1798&#x201C; erz&#xE4;hlt und schon S. 153 werden solche Reden und Thatsachen angef&#xFC;hrt, die das Kriegsrahtsprotokoll von von 1798 als L&#xFC;gen straft. So verh&#xE4;lt es sich mit der Geschichte von Propst, Pfarrer in Dorneck, III B&#xE4;ndchen 1838, gedruckt in Sursee. Nr. 73 S. 127 u. 128 bringt ebenfalls &#x201E;Entstellungen und Unwahrheiten vom Kampfe in Nidwalden 9. Herbstm. 1798.&#x201C;<br/>
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1849 Schweizergeschichte von K. Mounard, in Z&#xFC;rich gedruckt. Was im III. Thl. 3. und 4. Kapitel &#xFC;ber Nidwalden erz&#xE4;hlt wird, ist meistens aus Zschokke und Businger abgeschrieben, folglich an vielen Stellen unrichtig, und sogar mit Entstellungen vermengt u.s.w., durch die der sonst redliche Historiker selbst hintergangen wurde.--<br/>
So erging es auch anderen Geschichtschreibern. Selbst jene, von Uri und Schwyz, insofern sie auf Nidwalden einlenken, scheinen ihre historischen Abirrungen aus solchen Werken gesch&#xF6;pft zu haben, wie z.B. Lusser in seiner Geschichte von 1835 u.s.w.<br/><br/>
Am G&#xFC;nstigsten f&#xFC;r Nidwaldenschrieb der ber&#xFC;hmte Geschichtschreiber Johannes v. M&#xFC;ller aus Schaffhausen.Seine Schriften wurden aber von den helvetischen Beh&#xF6;rden und B&#xFC;rgern ung&#xFC;nstig aufgenommen. Z&#xFC;rich, bei Orell, F&#xFC;ssli &#38; Komp. 1832<br/>
<br/>
Und wie darf es wohl der Verfasser wagen, unter solchen Umst&#xE4;nden eine Geschichte zu schreiben? Nur mit bangem Herzen. Oft gab er den Entschluss auf, und und oft fasste er ihn wieder, bis es endlich doch zur Wirklichkeit kam. Man denke sich die grossen Schwierigkeiten, mit denen er im Kampfe lag. Die Musse, die er darauf zu verwenden hatte, war klein. Die Berufsgesch&#xE4;fte eines Seelsorgers erfordern, wie bei jeglichen Seelenf&#xFC;hrer der Fall ist die vorz&#xFC;glichere Zeit. Opft wurde der Verfasser w&#xE4;hrend Niederschreibung dreier Zeilen dreimal weggerufen. Es brauchte wirklich eine eiserne Geduld, die Arbeit durchzuf&#xFC;hren, und diese wollt gar oft mangeln oder ausgehen.. Es h&#xE4;tte den Verfasser herzlich gefreut, wenn mit ihm in der Hauptsache auch nur ein Geistlicher oder Weltlicher eingestanden w&#xE4;re. Die ziemliche Unth&#xE4;tigkeit und Hilflosigkeit drohten oft, den Muth zu benehmen.
Der Verfasser kennt auch die n&#xE4;chste Aufgabe, die sein Vaterland an ihn stellt. Sie besteht in der Vertheidigung desselben gegen ungerechte und lieblose Anschuldigungen. Wir feierten bereits die erste H&#xE4;lfte des ersten Jahrhunderts seit dem 9. Herbstm. 1798. Sonach erscheint mein Werk im rechten Zeitpunkte. Seit f&#xFC;nfzig Jahren ist Vieles gethan worden, meine Mitlandleute &#xFC;ber ihre Denkungs- und Handlungsart anzuklagen oder zu rechtfertigen, die selbe zur Zeit der schweizerischen Staatsumw&#xE4;lzung (1798) und in Folge derselben ausgesprochen und an den Tag gelegt haben.<br/>
Drei Klagen sind es haupts&#xE4;chlich, welche man wider dieses Volk erhob und anf&#xFC;hrte.<br/>
Die erste beschuldigte dasselbe, dass es so viele Bedenklichkeiten getragen habe, den Entwurf der helvetischen Staatsverfassung anzunehmen.<br/>
Die zweite, dass es noch gr&#xF6;sseres Bedenken trug, diese Verfassung zu beschw&#xF6;ren; und<br/>
die dritte, dass es sich der Annahme und der Beschw&#xF6;rung derselben zuletzt widersetzt habe.<br/>
<br/>
Hingegen wurden aber auch drei Rechtfertigungsgr&#xFC;nde f&#xFC;r dieses Volk aufgefunden und angebracht.<br/>
Der erste rechtfertigt dasselbe, dass der Entwurf der helvetischen Staatsverfassung in seinem Inhalte so beschaffen sei, dass es denselben nicht unbedingt habe annehmen k&#xF6;nnen.;<br/>
der zweite, dass es nicht habe angehalten werden k&#xF6;nnen, eine Verfassung unbedingt zu beschw&#xF6;ren, die es nur unbedingt angenommen habe; und<br/>
der dritte, dass es f&#xFC;r Unterwalden r&#xFC;hmlicher gewesen sei, f&#xFC;r Freiheit und Religion unterzugehen, als das Gewissen zu verletzen und die Pflicht der falschen Klugheit nachzusetzen.<br/>
Verschieden sind deshalb auch die ergangenen Urtheile. Viele haben getadelt und jenes Volk des Unsinns bez&#xFC;chtiget. Viele haben gelobt und seinen Heldenmuth bewundert. Fast allgemein jedoch hat man Nidwalden seiner harten Schicksale wegen bemitleidet.<br/>
Die Urtheile mussten aber auch verschieden ausfallen, wenn man alle Umst&#xE4;nde genau erw&#xE4;gt, unter denen sie gegeben worden sind. Vielen mangelte die geh&#xF6;rige Kenntnis der Sache. Manche urtheilten nur nach einseitigen Grunds&#xE4;tzen, und nicht Wenige, die da urtheilten, geh&#xF6;rten zur anklagenden Parthei, oder waren aus der Klasse der damaligen Zeithelden.<br/>
Wenn man aber dennoch &#xFC;ber ihre Denkungs- und Handlungsweise dieses V&#xF6;kleins richtig und geh&#xF6;rig urtheilen will, so scheint es uns, vor Allem fragen zu m&#xFC;ssen: Um was handelte es sich denn im Jahre 1798 mit den Leuten von Unterwalden nid dem Wald? Welches war der b&#xFC;rgerliche und welches der religi&#xF6;se Inhalt des Entwurfes der helvetischen Staatsverfassung, der da anzunehmen und zu beschw&#xF6;ren angegangen und verlangt wurde? Welche Umst&#xE4;nde begleiten die Sache? Und welches sind die Grunds&#xE4;tzem nach denen ein freies und katholisches Volk in beiden diesen R&#xFC;cksichten handeln oder nicht handeln durfte?. Nach diesem Masststabe glauben wir sowohl die Denkungs, als auch die Handlungsart der Unterwaldner abmessen zu m&#xFC;ssen, und dann wird es sich von selbst zeigen, ob es zur Zeit der schweizerischen Staatsumw&#xE4;lzung im Jahre 1798 recht oder unrecht gehandelt habe oder nicht.
Wer nun also im gegebenen Falle &#xFC;ber Recht oder Unrecht absprechen will, f&#xFC;r den geziemt es sich, dass er Klage und Antwort anh&#xF6;re, &#xFC;berlege und pr&#xFC;fe.
&#xA0;
Die vorliegende Arbeit hat sich beides zur Aufgabe gemacht, und desswegen die Aufschrift gew&#xE4;hlt: &#x201E;Der &#xDC;berfall in Nidwalden 1798 in seinen Ursachen und Folgen&#x201C;. Der so oft angeklagte Krieger der damaligen Zeit wird in dieser Schrift die besten Gr&#xFC;nde seiner Verantwortung finden. Dass diese Arbeit in die allgemeine Revolution, und in Nidwaldens fernere Schicksale eingreife, versteht sich von selbst. Der Landmann, der ganz einfach nach einer &#x201E;&#xDC;berfallgeschichte&#x201C; fr&#xE4;gt, hat hier eine solche. Wir glauben auch wirklich , die Klagen vollst&#xE4;ndig anzuf&#xFC;hren, wenn wir dieselben unter der obigen dreifachen Eintheilung aufstellen, deren Entwicklung dann von selbst folgen muss. Die Austheilung der Abhandlung und ihrer Kapitel ist aber so gew&#xE4;hlt, dass sie klar werden muss. Was die Antworten anbelangt, so glauben wir, sie sollten nicht ungen&#xFC;gend ausfallen.
Wenn es aber immer leichter ist, Kagen zu stellen, als zu beantworten, so zeigte sich diese Schwierigkeit auch hier, um so mehr, da das Archiv von Nidwalden in diesem Fache von vorfindlichen und in den Zeitraum von 1798 einschlagenden Raths- und Landesgemeindebeschl&#xFC;ssen arm und wirklich entbl&#xF6;sst ist, wie uns amtlich versichert worden. *)
*) Das Wochenrathsprotokoll von Nidwalden h&#xF6;rt auf den 10. April 1795, jenes des Landrathes den 2. Mai 1795.&#x201C;
&#x201E;K&#xE4;slin, Landschreiber.&#x201C;
Von den Beschl&#xFC;ssen der R&#xE4;the und Landleute, wie auch der Landesgemeinden, sollen sich zu dieser Zeit gleichfalls mehrere nicht vorfinden. --
Aiffallend ist es auch, dass selbst das auf diese Epoche bez&#xFC;glich Protokoll des Hochw.geistlichen Kapitels weggekommen ist, und die &#xFC;brigen daneben am gleichen Ort gelassen wurden?! --
Erst 1856 wurde benanntes Protokoll zuf&#xE4;llig entdeckt, enth&#xE4;lt aber einzig die Beschl&#xFC;sse vom 19. Hornung und 3i. Mai 1798.
Es sollen wirklich viele Papiere von noch nicht einprotokollirten Erkanntnissen jeder Art in den H&#xE4;usern der beiden Landschreiber beim Einfalle der Franzosen zerstreut und verloren gegangen sein. Einige sind gar der Meinung, die einheimischen Gegner des Volkes h&#xE4;tten zur Zeit der Umw&#xE4;lzung die wichtigsten Schriften auf die Seite ger&#xE4;umt, um sich den Inhalt derselben zu sichern, und diese l&#xE4;gen in einem bekannten Hause u.s.w. Wir wollen die Sache dahin gestellt sein lassen. Selbst in Obwalden, wo sonst das Archiv wohl bestellt ist, sollen im Jahr 1798 bedeutende Aktenst&#xFC;cke abgehen.<br/>
Dieser Mangel an vielen nothwendigen Belegen blickt selbst in Zschokke's und Busingerr's Nidwaldnergeschichten durch, zumal doch diesen beiden M&#xE4;nnern die Kanzlei offen stand, was f&#xFC;r Andere nicht der Fall war.<br/>
&#xC4;usserst m&#xFC;hsam und mit Unkosten hat demnach der Verfasser seine Stoffe f&#xFC;r diese Arbeit sammeln m&#xFC;ssen, und manchen Kenner d&#xFC;rfte es wundern, wie er so Vieles zusammengebracht und wo er es genommen habe; die Quellen sind aber meistens im Verlaufe angegeben. Die ganze Geschichte ist so gut m&#xF6;glich aus Urkunden und gen&#xFC;glichen Zeugsamen geschrieben, und stellt wie keine andere den ganzen Zusammenhang der damaligen Ereignisse und Vorf&#xE4;lle dar. Wir f&#xFC;hlen selbst, dass hie und da noch Einiges mangelt; zu dessen Kenntnis konnten wir aber nicht gelangen. Wir schrieben f&#xFC;r das Volk und liessen uns in Einzelheiten ein; darum die Sprache ganz einfach, ohne ausgesuchte und gelehrte Wort: und wen diese Einzelnheiten nicht ansprechen, der mag sie &#xFC;bergehen. So viel d&#xFC;rfen wir wenigstens von jedem vern&#xFC;nftigen Leser fordern, dass er die ganze Darstellung lese, ehe und bevor er dieselbe beurtheile. Wir erwarten, mancher sich gebildet D&#xFC;nkende werde Kritik anlegen wollen. Er bedenke aber, ob es nicht f&#xFC;r Ihn schwer gehalten h&#xE4;tte, f&#xFC;r so manches Kapitel, das er vorfinden wird, so reichlich Stoff zusammen zu bringen. Der Verfasser d&#xFC;rfte ihm dann entgegnen, warum er nicht fr&#xFC;her eine Nidwaldner Geschichte geschrieben h&#xE4;tte, wenn das doch eine so leichte Sache ist. Bei M&#xE4;nnern dagegen, die derlei Angaben und Arbeiten aus dem Grunde kennen, darf der Schreiber auf g&#xFC;tige Hinnahme und Nachsicht z&#xE4;hlen.<br/>
Um der Ordnung und Gr&#xFC;ndlichkeit willen wird die ganze Abhandlung in zwei Theile oder Abtheilungen getheilt. In der ersten erscheint Nidwalden im Verbande mit seinen Bundesgenossen 1798, und die daherige Denkungs- und Handlungsweise mit denselben. Die zweite beschl&#xE4;gt Nidwalden 1798 und in Folge allein, abgesehen von seinen Bundesgenossen.<br/>
Da die Franzosen eine eigene Zeitrechnung und Benennung einf&#xFC;hrten, die in ihren Schreiben &#xF6;fters vorkommen, so f&#xFC;gen wir hier noch eine Kurze Erkl&#xE4;rung derselben bei.<br/>
[<a href="http://personalblog.kaywa.com/files/images/2008/5/30/mob307_1210494624.gif">bild</a>]
Alle 12 Monate bestanden aus 30 Tagen, jeder aus 3 Wochen oder Dekaden. Die &#xFC;bersch&#xFC;ssigen Tage waren der Freiheit geweiht. Mit dieser neuen Eintheilung war freilich die schon Anfangs von Gott gesetzte Ordnung der Zeiten, Tage und Wochen beseitigt, die 6 Arbeits- und der Ruhetag (Sonntag) ganz &#xFC;bergangen, und auch hier eine der Religion und dem Christenthum ganz widrige Revolution eingef&#xFC;hrt.
Der Verfasser glaubt eine schuldige Pflicht zu erf&#xFC;llen, wenn er schliesslich allen Jenen herzlich dankt, die ihm Hilfe und Beitr&#xE4;ge zu dieser Arbeit geleistet haben. Die Akten sind durchweg &#xE4;cht gegeben, wie sie sich im Origianal auswiesen. Die Berichte st&#xFC;tzen sich in der Regel auf Augen- und Ohrenzeugen und auf Vergleichungen mit Umst&#xE4;nden der Zeit, des Orts und der Person; und der Schreiber darf nicht glauben, dass Jemand absichtlich Unwahrheiten oder Unrichtigkeiten ihm habe berichten wollen. In Betreff der Ehre und des guten Namens der in diesen Bl&#xE4;ttern vorkommenden Personen jeder Klasse, welche da diese oder jene Rolle gespielt haben, sind anderswo gen&#xFC;gende Erkl&#xE4;rungen und Vorbehalte gemacht worden.
&#xA0;
Nun, Leser! nimm denn hin und lies! Du wirst aus der helvetischen Zeit und aus dem L&#xE4;ndchen Nidwalden wichtige Dinge finden, die Dir in den jetzigen Tagen zu einiger Lehre dienen k&#xF6;nnen.
Stans, den 9. Herbstmonat 1860
Der Verfasser:
Franz Joseph Gut,
Pfarrhelfer

Franz Joseph Gut geht mit den Geschichtschreibern hart ins Gericht. Wenn er von deren Schriftchen redet, glaubt man eine gewisse Absch&#xE4;tzung zu sp&#xFC;ren. Sein Werk, das insgesamt gegen 900 Seiten umfasst, r&#xFC;ckt die Sache jedoch in ein anderes Licht. Als Kleriker musste er Linientreue zur katholischen Kirche markieren! Er verstand es indessen, seine Sicht der Dinge so darzustellen, dass der Eindruck des vollst&#xE4;ndigen &#xDC;berblicks und der "Wahrheit" entstand. Das umfassende Werk von 1862 wird heute als tendenzi&#xF6;s bezeichnet.<br/>

"(...) In Nidwalden f&#xFC;rchteten aber vor allem die geistlichen Herren um ihren Einfluss und ihre Macht. Die Geistlichen verk&#xFC;ndeten an zahlreichen Landsgemeinden im Jahre 1798, dass sich die neue Verfassung gegen Gott und die Religion richte. Deshalb folgte die Mehrheit von Nidwalden den Argumenten der Geistlichkeit, da sie bei einem zentralistisch organisierten Einheitsstaat den Verlust der Selbstbestimmung &#xFC;ber das Vaterland bef&#xFC;rchteten. In der &#xDC;berzeugung, Gott, Religion und Vaterland seien in Gefahr, verweigerten die Nidwaldner schliesslich als Einzige den B&#xFC;rgereid auf die neue Verfassung. (Ennetmoos / Geschichte / Der Franzosen&#xFC;berfall)<br/>

Fortsetzung folgt
&#xA0;</p><p><small><a href="http://personalblog.kaywa.com/mobile/ueberfall-in-nidwalden-1798/02-der-ueberfall-in-nidwalden-im-jahre-1798.html">Kommentare</a>&#xA0;(0)
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